|
|
| Dr. Georg Zenk mit dem Stein der lebendigen Kirche |
|
Gottesdienste
Predigten am Sonntag von Dr. Georg Zenk
Zuwendung Gedanken zum 4. Sonntag im Jahreskreis B am 29. 1. 2012 (Dtn 18, 15 – 20 und Mk 1, 21 – 28)
Deuteronomium heißt so viel wie Erneuerung des Gesetzes, also Einschärfung der Verkündigung durch Mose, auch wenn der schon über 600 Jahre tot war. Trotzdem ist der Text an unserer heutigen Stelle auffällig optimistisch: „ Einen Propheten wie dich will ich … erstehen lassen. Ihm will ich meine Worte in den Mund legen.“ (18) Das ist der kommende Messias, sagt man im Judentum; das ist der Christus, sagen die Christen. Freilich greift die Sicherung eines wahren Propheten nach antiker Art unheimlich hart zu: „Doch ein Prophet, der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu verkünden, … ein solcher Prophet soll sterben.“ (20) Das gibt dem heutigen Evangelien abschnitt Brisanz. Wenn dort von einem furchtbaren Fall von „Besessenheit“ im Synagogengottesdienst in Kapharnaum die Rede ist, dürfen wir Heutigen freilich nicht einfach auf Dämonen kommen, die auszutreiben gewesen wären. Sagt doch das II. Vatikanische Konzil schon vor 50 Jahren: „Der Erklärer hat nach dem Sinn zu forschen, wie ihn … der biblische Schreiber den Bedingungen seiner Zeit und Kultur entsprechend … zum Ausdruck gebracht hat.“ (Deiverbum 11) Wir wissen von der furchtbaren Krankheit der Epilepsie, die medikamentös behandelt immer wieder aufbrechen kann. Das befreiend Positive am typischen Verhalten Jesu ist: Er braucht keine Zauberformel; er wendet sich dem Schwerkranken zu, spricht ihn an, beruhigt und heilt ihn. Zuwendung ist die menschliche Tat, die die Welt besser macht. Auch in den Formen von Zuwendung, die uns gelingen: gegenüber Kindern, Jugendlichen, aus der Bahn Geworfenen, Kranken, Alten, Gebrechlichen. Da sind wir ganz auf der Linie des Evangeliums von Jesus Christus. Für ihn fing freilich schon in der Synagoge von Kapharnaum die Todesgefahr an, sich über ihm zusammen zu brauen. Weil ihm nicht geglaubt wurde, dass er der entscheidende Heiland ist. Weil er als Falschprophet galt und daher weg musste – in den Augen der Religionsoberen. Sie konnten ihn zwar nicht exekutieren; sie konnten ihn aber bei Pilatus als Königsanwärter anzeigen – was schließlich zu seinem Kreuzestod führte. Vor diesem Tod freilich hat Jesus in seinem letzten Abendmahl das Sakrament seiner innigsten Zuwendung zu uns und zur Welt eingesetzt, sodass wir dann nach vorne gehen und uns speisen lassen. Gedanken zum 3. Sonntag im Jahreskreis (B): 1 Sam 3, 3 – 19 und Jo 1, 35 - 42, Theisenort, 15. 1. 2012
Gott beruft Menschen
Hanna im Alten Testament war nur die Zweitfrau und noch dazu kinderlos.Da machte sie am Heiligtum ein Gelübde: Sollte sie einen Sohn bekommen, würde kein Schermesser an seine Frisur kommen. Und als der kleine Samuel („Gott wurde über ihm angerufen“) geboren war, stimmte sie auf Gott einen Lobgesang an, der zum Vorbild für den Preisgesang Marias im Neuen Testament wurde: „Mein Herz ist voll Freude über den Herrn… Der Bogen der Helden wird zerbrochen, die Wankenden aber gürten sich mit Kraft… Die Hungrigen können feiern für immer.“ Und sie stillte Samuel drei Jahre lang, um ihn dann ins Heiligtum von Silo zu bringen, damit er bei Eli das Priesterfach lernte. Dieser blinde Mann war ganz Realist. Als nämlich der junge Samuel nachts Gottes Stimme hörte, riet er ihm nur, sich wieder ruhig hinzulegen; allenfalls zu sagen: „Rede, Herr, dein Diener ist hörbereit.“ Samuel wurde ein Prophet auf dem Niveau von Mose; er war der, der Saul und später David zum König auswählte und salbte. Wie Eli sollen auch wir unaufgeregte Berater für junge Menschen sein, die für einen besonderen unter den vielfältigen Berufen in der Kirche taugen; ja keinen Druck ausüben, sondern frohen Herzens gelassen konstruktiv bleiben! Denn auch Christus hatte seine Wege, Menschen zu berufen: Zwei Jünger des Johannes des Täufers verlassen ihren Meister und gehen mit Jesus. Einer von ihnen, Andreas, bringt sofort seinen Bruder Simon bei. Den nennt – so der Evangelist Johannes –Jesus sofort Kephas – Fels – Petrus. Also ohne dass sich Simon besonders bewährt hätte – oder später besonders fehlerlos geblieben wäre. Das wissen besonders realistische Katholiken, die den Bischof von Rom bis heute in der Nachfolge dieses Simon Petrus verstehen: Keine Überschätzung des Papstes, aber Freude darüber, dass Gott sein Wirken brauchen will. Denn unser Mittun will er auch. Gedanken zur ersten Lesung des 32. Sonntag im Jahreskreis (A) am 7. 11. 2011, Weisheit 6, 12 – 16
Wie schön, wenn jemandem etwas von der Hand geht. Einem Handwerker, der eine Zimmertür packt, als wäre sie aus Pappdeckel, und sie präzise einrichtet. Einem Arzt, der ohne im Buch nachzusehen, eine 15er Tablettenkombination festlegt, die hilft und nicht einmal den Magen angreift. Einem Klaviervirtuosen, der ohne Noten ein Konzert von 40 Minuten auswendig spielt – und wie! Wer von solchen erfreulichen Beispielen schlussfolgern kann auf das Prinzip, warum so etwas so gut funktioniert, kommt auf die Logik, die in die Welt ein gestiftet ist. Auf Gott. Auf seine Allweisheit. Diese Weisheit wird im Buch der Weisheit geradezu zur Person: „… wer sie liebt, erblickt sie schnell … er findet sie vor seiner Tür sitzen... Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind.“ Dieses Lob Gottes ist Anlass für unseren Lebensoptimismus. Gott ist groß, aber er ist noch größer, wo er sich als der Gekreuzigte in die miserabelsten Situationen unseres Lebens persönlich hinein begibt.
Deshalb hat einer wie Martin Luther die Botschaft vom Kreuz und von der Auferstehung dem Buch der Weisheit entschieden vorgezogen.
Gedanken zum Sonntag am 03.07.2011 in Theisenort(Lesejahr A: 14. Sonntag im Jahreskreis: Sacharja 9, 9 – 10 und Matthäus 11, 25 – 30). Wer verständig in den Weltraum sich hinein rechnet, erahnt etwas von der Größe Gottes. Und doch ist Gott ins äußerste Elend an den dreckigen Kreuzstamm gegangen. Wo ist er größer? Jesus Christus hat jedenfalls um Gottes Größe darzustellen, nicht in den Weltraum gegriffen, sondern ganz Kleines geschildert: die Schönheit einer einzigen wild wachsenden Feldblume, die Raben, die nicht säen und ernten und doch ernährt werden. Ob Christus uns nicht auch darin bestärken würde, dass wir da groß sind, wo wir ganz klein wurden, wenn wir einem alten Menschen beim Essen helfen; wenn wir auf dem Boden sitzen und mit einem kleinen Kind spielen? . „Dein König kommt zu dir,“ jubelt der Prophet Sacharja, „er ist demütig und reitet auf einem Esel“ – und eben nicht auf einem Schlachtross in Rüstung. Seine Gewaltlosigkeit ist der Anfang seines Sieges, durch ihn wird „der Kriegsbogen vernichtet“ und das ganze Arsenal von Waffen und das ganze Großtun der Diktatoren. Deshalb darf man das „Ich werde euch Ruhe verschaffen“ Jesu nicht zu klein übersetzen: das ist keine billige Jesus-Pause, wie ein Mittagsschlaf oder ein verlängertes Wochenende, sondern das ganze Heil von Gott, alles was Gutes von ihm kommt, der Gottesfriede, der „schalom“, wie man ihn im Nahen Osten einander wünscht - jüdisch als „schalom alechem“ , arabisch als „salem aleikum“: „Gottes Güte euch!“. Wenn das die Moralisten durch die Jahrhunderte nur begriffen hätten, dass Jesus mit Recht sagen kann: „Mein Joch drückt nicht, meine Last ist leicht.“ Gedanken zum Evangelium des zweiten Fastensonntags Lesejahr A (20. März 2011): Matthäus 17, 1 - 9 Dass die drei Jünger auf einem hohen Berg Jesus leuchtend wie die Sonne sehen, ist mitten in der Fastenzeit eine Vorschau auf Ostern. Lange vor dem Karfreitag kann die Kirche Ostern nicht zurück halten.Das ganze Thema kann mit Rettung überschrieben werden; denn „eine leuchtende Wolke“ warf Schatten über sie. Das ist genau die Wolke der Anwesenheit Gottes bei seinem aus der Sklaverei Ägyptens ins heilige Land fliehende und höchst gefährdete Volk Gottes, also auch für uns; denn wir sind unterwegs zur endgültigen Rettung. Und es ist kein Zufall, dass neben Jesus die prominentesten Gestalten des Alten Testaments stehen und mit ihm im Gespräch sind: Mose, einer der größten Lehrer der Ethik der Menschheit. Von ihm stammt beipielsweise die Forderung „ein Auge um ein Auge; ein Zahn um einen Zahn“. Sonntagsredner verwenden diese Worte immer falsch als Rachegedanken. In Wirklichkeit bedeuten sie die Einschränkung, das Abfangen der Rache (was uns bis heute ja nicht glückt). Moses Gebote würden, zur Geltung gekommen, die Welt ganz anders aussehen lassen. Und trotzdem übertrifft die Ethik Jesu die des Mose weit: Christus lehrt nicht nur die Eindämmung der Rache, sondern sogar die Feindesliebe, nicht nur das Nicht-Morden, sondern schon das Schlecht-Reden über jemanden; nicht nur das Nicht-die-Ehe-Brechen, sondern schon das geile Anschauen einer Frau. Elija, der mit Abstand beliebteste Prophet Israels (für ihn steht beim Pesach-Feiern ein zusätzliches Gedeck am Tisch). Er gewann, wird erzählt, die waghalsige Wette gegen die heidnischen Baalspriester: ob Feuer vom Himmel auf die Fleischstücke auf deren Altäre fällt oder nur auf seinen Altar (und nach gewonnener Wette ließ er die Götzenpriester umbringen). Von Jesus gibt es keine solche Wette – er ließ sich selbst umbringen, um zum Retter für alle zu werden.
Feindesliebe?! Gedanken zum Sonntagsevangelium des 20. Februar 2011: Matthäus 5, 38 – 48 „Ich sage euch: Liebt eure Feinde“, so weit geht Jesus. Er kann es fordern; denn er hat noch am Kreuz für seine Folterer gebetet. Der Diakon Stephanus, zur Steinigung bis zur Leibesmitte eingegraben, tat es Jesus nach, bevor ihn der finale Steinbrocken tötete. Und schon in den „Gottesknecht“-Texten des Propheten Jesaja um 700 vor Christus stellt sich Gott hinter seinen unschuldig verfolgten Gläubigen, „durch dessen Wunden“ „die Vielen“ geheilt werden. Würde man nicht vom Horizont Jesu ausgehen, wäre die Feindesliebe eine für den Eigenerhalt schädliche Devise. Es kommt aber genau auf diesen weiteren Horizont an: Die ersten Menschen, die den Mond betraten und über seinem Horizont die türkise Erdkugel wie einen Smaragd haben aufgehen sehen, hatten diesen erweiterten Horizont, wenn sie erkannten: Und darauf soll man Kriege führen und Feindschaften durchhalten?! Aus dem nochmals unendlich erweiterten Horizont Gottes zu uns Menschen kann Jesus sagen: „Betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne und Töchter eures Vaters im Himmel werdet.“ So ist jedes ehrliche Vaterunser der Beginn der Entfeindung um Gotteswillen. Gedanken zum 14. Sonntag im Jahreskreis am 4. Juli 2010(Lukas 10, 11 – 20 und Jesaja 66, 10 – 14) Jesus Christus hatte keine Dämonenfurcht., wie sie in der Antike an der Tagesordnung war. Deshalb ermahnt er auch seine Jüngerinnen und Jünger: „Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass euere Namen im Himmel verzeichnet sind.“ (Lk, 10, 20). Für dieses sich in Gott-geborgen-Wissen verwendet die Bibel die denkbar stärksten Bilder: „Saugt euch satt an der tröstenden Brust der Gottesstadt“ (Jes 66, 11). Man muss nur einmal einen schreienden Säugling erlebt haben, der sich an der Mutter in großen Zügen satt trinkt und dann lächelnd auf seine Mutter schaut. Man muss nur einmal seinen Sohn – nach allen bestandenen Prüfungen und nach vierzig vergeblichen Bewerbungen hoffnungslos zu Haus am Tisch erlebt haben, dann versteht man die Bibel, in der Gott sagt: „Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch.“ Ein rastloser Mensch der ausgehenden Antike – Liebhaber, der seine Freundin verließ; Sektenmitglied; Rhetorikprofessor; Christ; Bischof; Ordensgründer- : Aurelius Augustinus, wusste, wovon er schrieb, als er auf der ersten Seite seiner „Bekenntnisse“ alle Not und Glut des Herzens auf Gott warf: „Auf dich hin hast du uns geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es seine Ruhe findet in dir.“ Es ist mit unserem Leben wie mit einem Sektglas, das – Gott sei Dank - mit vielen guten Sachen schon gefüllt wurde, dessen oberer Rand sich aber immer höher streckt, weil wir nicht satt werden – auch an sieben herrlichen Limousinen nicht. Wer oder was wird uns einmal ganz erfüllen? Zuletzt nur der unendliche Gott. Gedanken zur Lesung Exodus 3 am 3. Fastensonntag, 07. 03. 2010 in Theisenort Am brennenden Dornbusch Seit Kinderzeiten kennen wir die Bibelgeschichte vom Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt (Exodus 3, 1 - 3). Der Engel Gottes, heißt es, verlangt von Mose, dass er die Schuhe auszieht und niederkniet und anbetet. Dass er aber alle vier oder sechs Wochen käme und nur betete und nur Kult machte, das wird ihm nicht erlaubt, das wäre zu wenig. Vielmehr wird er in die Öffentlichkeit, in die Politik geschickt: „Mose, führe mein Volk aus Ägypten!“ So müssten bis heute unseren Gebeten engagierte Taten folgen. Und engagierte Taten müssten innerlich aus Gebeten ihre Kraft holen. Beter und Beterinnen gibt es schon, aber zu wenig politisch aktive. Politikerinnen und Politiker gibt es schon, aber zu wenig betende. Und doch: Eine religiöse Ethik, die nur darauf bestehen würde: Tu das und tu auch noch dies! ist uns Modernen mit Recht zuwider. Wir möchten wissen, was denn die fordernde Autorität eigentlich selber tut oder selber schon getan hat. Und auf diese Frage zeigt die Dornbuschgeschichte eine oft zu wenig beachtete, frappierende Scharnierstelle, in der Gott sich selbst so beschreibt: „Ich kenne das Leid meiner Menschen. Ich bin herabgestiegen, um sie aus der Hand ihrer Unterdrücker zur entreißen!“ (3, 7 f) Die kennzeichnende Voraus-Tat Gottes besteht also im Herunterkommen und im persönlich tiefen „Kennen“ des Elends. (Die Bibel verwendet dieses Wort „kennen“ sonst nur noch für den intimen Geschlechtsakt zwischen Mann und Frau.) Also: Längst vor jedem Befehl und vor jedem Gebot an uns ist Gott ein Befreier aus allem, was uns nieder macht. Soll man gegen einen solchen Gott noch protestieren? So ein Gott tut uns not. Mit ihm können wir kooperieren. Gefährten im anderen Boot
Man muss sich schon sehr auf die Lippen beißen, wenn man ein Fachmann oder eine Fachfrau ist - und ausgerechnet ein Nicht-Fachmann einem einen Rat geben will. So ging es einigen Jüngern, gelernten Fischern, denen Jesus, der Zimmermannssohn, den Tipp gab, nach einer leer ausgegangenen Nacht auf dem See gegen alle Erfahrung am helllichten Tag nochmals die Netze auszuwerfen. Fachlich komplett falsch. Es handelte sich aber im Lukasevangelium an dieser Stelle (5, 1 -11) schon längst nicht mehr um Fischfang, sondern um „Menschenfischer“, als die Jesus seine Jünger haben wollte, um das Gewinnen von Menschen für den christlichen Glauben - in der ganzen bekannten Welt. Oft (und bis heute) ebenso erfolglos wie bleibende Aufgabe von Christus her. Um so mehr als die Kirchen heute noch in Vielem getrennt und konkurrierend sich selbst und einander scheinbar auf den Füßen zu stehen scheinen. Manche beschränken sich da auf das Bild vom „Schifflein Petri“, der katholischen Kirche, die manchem Sturm eben trotzen müsse. Und mit Gottes Hilfe auch stand hält. Ganz anders Lukas: Er schildert, dass die Missionare in aussichtsloser Situation „eine so große Menge Fische fingen, dass ihre Netze zu reißen drohten, und dass sie daher ihren Gefährten im anderen Boote winkten, sie sollten kommen und ihnen helfen“. Und dass die auch kamen und halfen und „beide Boote füllten bis zum Rand, so dass sie beinahe untergingen“. Was für ein ökumenisches Bild! Nicht ein „Schifflein Petri“ allein, eine ganze Allianz von Booten. Das Ergebnis durch den nicht erwarteten Erfolg, den Gott schenkt, überreich. Die einzelne konfessionelle Kapazität und Identität weit überschreitend, so dass angesichts des Wunders, das Gott tut, nur noch ökumenische Zusammenarbeit angebracht ist. Gedanken zu Allerheiligen 2009 (Offenbarung 7, 2 – 14 und Matthäus 5, 1 – 12)Damit wir über eigene gegenwärtige Probleme hinaus blicken, legt uns die Kirche heute einen Text hin aus schlimmer Verfolgungszeit (Kaiser Domitian um 95 nach Christus). Der Verfasser Johannes, der schon Strafzeiten auf der Insel Patmos hinter sich hat, kann nur noch verklausuliert, also in Bildern sprechen. Das tut er aber mit extrem weiter Perspektive: Bei Gott werden vollendet sein 144000. Das sind keine 143999 plus einer. Das sind die zwölf Stämme Israels komplett, dass niemand fehlt (auch die Halbherzigen und schwach Gläubigen nicht) und mit sich selbst multipliziert. 12 mal 12 ist 144. Johannes traut Gott also die universale Rettung zu, die alle zusammenschließt, damit keiner und keine fehlt.Und das ist auch das Programm Jesu, der historisch, also, hätte es sie gegeben, mit der Videokamera aufnehmbar, 12 Apostel wollte. Weil er es kommen sah, dass sich die Christen aufteilten in mehr als 200 Konfessionen- jede möglichst mit Alleinvertretungsanspruch. Gerettete sind aber alle und deshalb gehören der Friedensgruß und die Anerkennung hinüber und herüber allen. Weil der heilige Gott die Rettung und Heilung aller will.Johannes würde übrigens immer noch nicht zufrieden sein: Damit wir auch die fernen und fernsten Religionen und die Menschen aller weltanschaulichen Schattierungen ja nicht abschreiben, betont er eine „Menge, die niemand zählen konnte“, „in weißen Gewändern“ vor dem Thron Gottes. Denn wer von den Menschen kommt mit glatt „weißer Weste“ durchs Leben, wenn sie uns nicht Gott weiß machen würde. Das ist Allerheiligen. Gedanken zu den Sonntagstexten am 12. Sonntag im Jahreskreis (21. Juni 2009) 2. Korintherbrief 5, 14 – 17 und Markus 4, 35 – 41
„Kümmert es dich nicht, dass wir zu Grunde gehen?“ so wecken die Jünger den auf dem Schiff im Sturm schlafenden Jesus auf. Das mag man 1802 und 1803 auch gedacht haben, als die bayerische Staatsregierung der Kirche ihren Besitz weitgehend abnahm, unser Kloster Langheim hinter Vierzehnheiligen zu sieben Achteln als Steinbruch für behauene Steine freigab und handgemalte und geschriebene Pergamentbände zum Auffüllen von Waldwegen verwenden ließ. Inzwischen sind wir dankbar, dass die Kirche immobilienmäßig verschlankt da steht und der Staat ihr viele Baulasten abnimmt. Und sie ist nicht untergegangen. Ungleich härter treffen uns Todesfälle lieber Menschen, Trauerfälle, deren Sinn uns bis zu unserem letzten Atemzug nicht beantwortet werden und die uns zu Grunde richten können. „Kümmert es dich nicht?“ halten wir Gott vor. Da ist es gut, das Evangelium von der Sturmstillung mit der Lesung zu verknüpfen, wo als eigentliches Wunder über den Naturablauf zu Recht die Auferstehung Christi angeführt wird. Man muss dieses Tor zum endgültigen Leben nur nicht für Christus allein nehmen, sondern für uns alle. Das ist die tiefer verstandene Sturmstillung.
Zum Predigtenarchiv Gedanken zum Sonntagsevangelium (Lukas 5, 1 – 11) vom 7. 2. 2010
|